Autologe Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation
Erklärung des Behandlungsverfahrens
Eine ganze Reihe von Krebserkrankungen und Erkrankungen des Blutsystems können in bestimmten schwierigen Situationen mit massiv erhöhten Medikamentendosen besser behandelt werden als auf normalem Weg. Nachteil einer solchen hochdosierten Medikamententherapie ist allerdings, daß eines der sich am aktivsten teilenden Zellsysteme unseres Körpers, das Blutsystem, für lange Zeit unterdrückt oder sogar irreversibel geschädigt würde. Dies bedeutet, daß Patienten nach einer solchen Therapie mehr als 30 Tage keine weißen Blutkörperchen hätten und von Bluttransfusionen abhängig wären. Der Mangel an weißen Blutkörperchen bedingt eine massive Gefährdung durch Infektionen, da keine ausreichenden natürlichen Abwehrkräfte vorhanden sind.
Die autologe Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation überwindet das Problem der Schädigung des blutbildenden Systems durch die Medikamententherapie. Vor der geplanten hochdosierten Medikamententherapie wird von dem zu behandelnden Patienten Knochenmark gewonnen oder es werden Blutstammzellen abgenommen. Mark oder Stammzellen werden danach in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad eingefroren. Hierdurch wird erreicht, daß die Zellen langfristig lagerfähig sind. Der Konservierungsprozeß muß natürlich unter strengen Qualitätskontrollen durchgeführt werden.
Nach dieser Prozedur erfolgt die hochdosierte Medikamentenbehandlung des Patienten, manchmal auch in Kombination mit einer Bestrahlung. Dieser Teil der Behandlung dauert je nach Schema zwischen 4 und 8 Tage. Nach einer Pause von 1-2 Tagen, in der die Medikamente aus dem Körper ausgeschieden werden, wird dem Patienten dann das aufgetaute Knochenmark bzw. die Blutstammzellen zurückgegeben. Hierzu ist keine Operation erforderlich. Die Stammzellen bzw. das flüssige Knochenmark befindet sich in einem Beutel und wird einfach in ein Blutgefäß gespritzt. Die Zellen suchen sich ihren Platz im Knochenmark des Patienten von selbst.
Durch die Rückgabe eigener Knochenmark- oder Blutstammzellen wird die Erholung des Patienten in kürzerer Zeit möglich.
Autologe Knochenmarktransplantation oder Blutstammzelltransplantation?
Lange Zeit ist man davon ausgegangen, daß die für die Neubildung des blutbildenden Systems notwendigen Stammzellen nur aus Knochenmark zu gewinnen sind. Eine Knochenmarkentnahme ist durch Einstechen von Nadeln in den Hüftknochen unter Narkose möglich. Seit Ende der 80er Jahre gelingt es, die gleichen Blutstammzellen, die durch dieses Verfahren aus dem Knochenmark gewonnen werden, durch ein besonderes Verfahren in das Blut zu verlagern, wo sie dann durch ein spezielles Verfahren gewonnen werden können. Die Verlagerung eines Teils der Knochenmarkstammzellen in das in den Adern zirkulierende Blut gelingt durch eine Chemotherapie mit nachfolgender Behandlung mit Blutbildungshormonen (G-CSF). Unter bestimmten Umständen kann auch auf die Vorbehandlung mit Chemotherapie verzichtet werden. Die Gewinnung der Stammzellen aus dem Blut ist für den Patienten nicht belastend: Es sind lediglich 2 Blutentnahmenadeln oder Katheter in den Venen erforderlich. Das Blut wird zur Gewinnung der Stammzellen durch eine spezielle Maschine (Zellseparator) gepumpt, in der die gewünschten Zellen zentrifugiert werden.
Die periphere Blutstammzelltransplantation erlaubt genauso wie die Knochenmarktransplantation eine dauerhafte Wiederherstellung des blutbildenden Systems nach einer hochdosierten Chemotherapie. Sie hat aber den Vorteil, daß die Erholungszeiten für die Blutbildung von etwa 24 Tage auf 12 Tage verkürzt wird. Daher hat sich für die autologe Transplantation die Blutstammzelltransplantation als Verfahren der Wahl durchgesetzt. Autologe Knochenmarktransplantationen werden praktisch nicht mehr durchgeführt.
Anwendungsgebiete
Anwendungsgebiete der autologen Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation: Lymphknotenkrebserkrankungen (Morbus Hodgkin, maligne Non-Hodgkin-Lymphome), Multiples Myelom (Plasmozytom), Leukämieformen (chronisch-myeloische Leukämie, akute myeloische Leukämie, akute lymphatische Leukämie), Hodenkarzinome, Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) u.a..
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